Es war einmal ein Kind, das einen langen und beschwerlichen Weg auf sich nehmen musste, um das nächste Dorf und den dortigen Bäcker zu erreichen.
Als es in der Bäckerei ankam, waren bereits alle Brote des Tages verkauft. Und das Kind, das großen Hunger hatte, begann bitterlich zu weinen.
„Hey“, sagte der Bäckermeister, und setzte sich auf die festgetretenen Lehmstufen, die zu seinem kleinen, wunderschönen Ladenraum hinauf führten. „Warum weinst du so bitterlich?“
„Ich habe Hunger, seit ich denken kann“, schluchzte das Kind. „Und heute Morgen durfte ich endlich los ziehen, um zum ersten Mal in meinem Leben dein Brot zu kaufen, das über alle Lande hinaus für seine Kraft bekannt ist. Aber jetzt hast du gar kein Brot mehr da!“
„Oh!“, sagte der Bäckermeister, „das tut mir jetzt leid“. Und das meinte er auch so. Er hätte dem Kind am liebsten sofort einen großen, duftenden Brotlaib mit ganz viel Kraft gegeben.

Aber er hatte besondere Steinplatten in seinem Ofen, die nur einen halben Tag lang befeuert werden durften. Am Nachmittag und Abend mussten sie abkühlen, damit man vor Beginn des neuen Tages erneut ein Feuer entfachen und den großen Bäckerofen damit heizen konnte.
„Brot kann ich dir heute nicht mehr anbieten“, sagte der Bäckermeister also. „Aber magst du vielleicht eine Banane?“ und er lief geschwind in seinen Laden und holte dem Kind eine wunderschöne Banane.

Als das Kind die Banane sah, wurde aus dem leise verzweifelten Weinen ein regelrechter Sturm. „Kind“, sagte der Bäckermeister entsetzt. „Nimm doch, das ist eine sehr gute Banane. Und sie ist gerade reif, genau richtig zum Essen. Sie wird dich für den Nachmittag satt machen.“
„Ich huhuhu wollte a-huhu aber huhuhu dein Brot, huhuhuhuhu“, weinte das Kind und konnte sich nicht mehr halten. „Ich ha-huhuhu habe in meinem huhuhuhu Leben huhu schon mehrmals eine huhuhu Banane bekommen, huhuhuhuhu, aber ich habe huhuhu den ganzen Weg huhuhu gemacht, und er war so beschwerlich, huhuhu, und ich muss bei Dunkelheit huhu zurück sein, huhuhu, um dein Brot zu kaufen, huhuhu, und jetzt werde ich huhuhu wieder ohne dein Brot und ohne die Kraft darin huhuhu zurück kehren. Und huhuhu ich habe mein Leben huhuhu lang diesen Huhuhuhunger auf dein Brot gehabt, huhuhu, und jetzt erst durfte ich huhu los, huhuhu um es zu kaufen, huhuhu, und jetzt huhuhuhuhu hast du nichts mehr da huhuhuhu. Und ich huhuhuhu muss doch huhuhu jetzt zurück. Huhuhuhuhu.“ Und das Kind konnte nicht mehr aufhören, zu weinen. Da sparte sich der Bäckermeister weitere Worte und nahm es ganz lange in den Arm.

„Kannst du nicht jetzt einfach noch ein Brot backen? Für mich?“ fragte das Kind verzweifelt, als sein Weinen in den Armen des Bäckermeisters versiegt war. „Ausnahmsweise? Bitte?“ „Nein“, antwortete der Bäckermeister. „Wenn ich meinen Ofen jetzt anfeuere, springen mir die Platten. Dann könnte ich nie mehr Brot backen – aber genau das ist mein Ding. Deshalb gebe ich auf die Platten wirklich, wirklich gut acht. Ich kann dir heute leider kein Brot mehr backen.“ Und wieder begann das Kind zu weinen und der Bäckermeister war zutiefst berührt von all der Verzweiflung.
„Warum mein Brot?“ fragte er das Kind. „Habt ihr bei euch im Dort nicht ebenfalls einen Bäcker?“
„Doch“, schluchzte das Kind, und wurde beim Erzählen schließlich ruhiger. „Normales Brot schon. Aber wir sind eine große Dorfgemeinschaft und ich muss meine eigene Kraft immer in die Gemeinschaft hinein geben. Deshalb bin ich erschöpft und habe fortwährend schrecklichen Hunger. Unser eigener Bäcker backt zwar leckere Brote, aber in denen ist keine besondere Kraft drin, so wie bei dir.
Ich wollte schon lange über die Hügel zu dir wandern, um dein Brot zu kaufen. Aber ich durfte nicht, weil ich von der Dorfgemeinschaft gebraucht werde und nie die Zeit bekam, zu dir zu wandern.
Kannst du deinen Ofen heute nicht bitte-bitte-bitte-bitte-bitte ausnahmsweise anfeuern, weil ich nicht weiß, wie ich es schaffen soll, noch einmal her zu kommen? Und weil ich nicht weiß, wie ich ohne die Kraft aus deinen Broten weiter machen soll? Bitte-bitte-bitte?“
Aber der Bäckermeister schüttelte den Kopf. „Hier geht es nicht um Wollen“ sagte er dann. Die Platten gehen wirklich kaputt, wenn ich den Ofen jetzt anfeure. Egal, wie oft du mich noch darum bittest. Aber ich habe eine andere Idee – ich bringe dir bei, wie man Brot backt. Brot mit Kraft. So dass du es dir selber jeden Tag backen kannst. Was hältst du davon?“

Aber das Kind war so erschöpft, dass es sich gar nicht freuen konnte und erneut zu weinen begann.
„Warum freut es sich nicht?“ fragte die Frau des Bäckermeisters verblüfft, die den Laden für den nächsten Tag bereit machte und die Erzählungen des Kindes und seine Bitte dabei mitbekommen hatte. „Du bietest ihm an, dein Rezept zu verraten, und es weint so verzweifelt? Wie kann das sein?“
„Ich glaube, es ist einfach zu erschöpft“, sagte der Bäckermeister und hielt das Kind erneut im Arm. „Sie haben da wohl eine Dorfgemeinschaft im Nachbarort hinter den Hügeln, die ihren Kindern nicht beibringt, gut mit der eigenen Kraft zu haushalten. Jetzt hat es viel zu lange viel zu viel Kraft an die Gemeinschaft gegeben, hat sich schon seit sehr langem auf das Brot gefreut, das es heute hier kaufen wollte und ist gar nicht mehr im Stande, über den heutigen Nachmittag hinaus zu denken.“ Er seufze und schüttelte bedauernd den Kopf.

Seine Frau aber trat lächelnd hinter ihn, beugte sich über seine Schulter und gab ihm einen liebevollen Kuss. „Was zählt ein einziger Nachmittag, wenn das Kind danach jeden Tag sein eigenes Kraftbrot backen kann?“ sagte sie zärtlich. „Das Kind kann die Dimension noch nicht absehen. Aber du kannst es, Mann meines Herzens, und deshalb brauchst du kein Bedauern zu haben. Ich mache einmal das Gästezimmer fertig …“.
Das Kind brach jedoch kurze Zeit später auf. „Die Dorfgemeinschaft braucht mich“, sagte es. „Ich kann nicht über Nacht bleiben. Und ich weiß auch nicht, ob ich es jemals schaffen werde, in den Morgenstunden hierher zu kommen. Morgen früh ganz sicher nicht.“ Und noch einmal flehte es den Bäckermeister mit Blicken an, seinen Ofen ausnahmsweise jetzt gleich anzufeuern, damit er ihm ein Kraftbrot backen konnte. Erneut schüttelte der Bäckermeister verneinend den Kopf und sagte: „Ich freue mich, wenn du es schaffst, eines Tages am Morgen her zu kommen. Denn dann bin ich frei dir zu backen, was immer du möchtest, weil mein Ofen dann an ist. Und dann werde ich dir mein bestes Brotrezept verraten und beibringen, wie du es backen kannst, so dass du von da an jeden Tag ein Kraftbrot haben wirst. Für dich und auch für alle Menschen, denen du gerne Brot backen möchtest.“

Das Kind jedoch war so hungrig und verzweifelt, als es sich auf den Rückweg machte, dass der Bäckermeister nicht sicher war, ob es seine Worte überhaupt ganz verstanden hatte. Die Banane ließ es unangerührt auf der festgetretenen Stufe aus Lehm. Der Bäckermeister seufzte, schälte sie für sich selbst und biss schließlich mit einem tiefen Ausatmen hinein. Es war ein langer Tag gewesen und das Leid des Kindes war ihm sehr zu Herzen gegangen. Es fiel ihm schwer zu akzeptieren, dass er dem Kind nicht gleich am nächsten Tag sein bestes Rezept beibringen konnte. Und er dachte höchst unfreundlich über die Dorfgemeinschaft, die dem Kind nicht beigebracht hatte, gut mit der eigenen Kraft zu haushalten. „Nun ja“, seufzte er schließlich laut und stand auf, um noch einmal nach seinem Ofen zu sehen. Die Kunst, gut mit der eigenen Kraft zu haushalten, würde er dem Kind beibringen, sobald es wieder kam. Kein Kraftbrotbäckermeister der Welt konnte Kraftbrote backen, wenn er schlecht mit der eigenen Kraft – oder mit seinem Ofen – umging. Dass man gut auf seine Kraft und auf seinen Ofen sah, war die unabdingbare Voraussetzung dafür, dass man überhaupt Kraftbrote backen konnte.

Der Bäckermeister staunte nicht schlecht, als das Kind schon vier Tage später in aller Frühe an seine Ladentür klopfte. „Du hier?“ fragte er erstaunt. „Hast du den Weg noch am Abend angetreten?“ „Ja“, nickte das Kind. „Ich habe so einen schrecklichen Hunger! Dein Brot ist wichtiger für mich, als Schlaf.“ „Oh“, sagte der Bäckermeister erschüttert. „Kind, ich kann dir das Rezept nur beibringen, wenn du ausgeschlafen bist. Sonst wird zwar ein leckeres Brot daraus, aber es ist nicht ein Quäntchen Kraft darin. Du musst dich bei uns ausschlafen, bevor du zusammen mit mir backen kannst.“
Von dieser Nachricht war das Kind so erschüttert, dass es nicht einmal mehr weinen konnte. „Aber ich habe doch alles gemacht!“ rief es dann verzweifelt und wurde dabei richtig wütend. „Du hast gesagt, dass dein Ofen nur am Morgen läuft, und obwohl ich dafür die ganze Nacht wandern musste, bin ich jetzt hier! Und jetzt sagst du mir, dass ich für das Backen auch noch ausgeschlafen sein muss! Dann will ich eben nicht backen lernen! Dann will ich nur dein Brot kaufen, und wieder gehen! Bitte gib mir jetzt ein Brot! Ich gehe kaputt, wenn ich nicht endlich etwas Kraft essen kann!“

Der Bäckermeister schenkte dem Kind das erste Kraftbrot, das er kurz später duftend und warm aus dem Ofen holte. „Komm gerne wieder!“, sagte er noch. „Die Kraft von einem einzigen Brot wird nicht lange anhalten. Aber wenn du eines Abends hier eintriffst und dich über Nacht ausschläfst, bringe ich dir am nächsten Tag das Kraftbrotbacken bei.“ Er war sich nicht sicher, ob das Kind ihn noch gehört hatte. So schnell sprang es die Stufen hinunter. Und obwohl es nun das lang ersehnte Kraftbrot in den Armen hielt, sah es von hinten nicht glücklich aus. Eher so, als würde es beim Laufen weinen.

„Hast du ihm alles gegeben, was du ihm geben konntest?“ fragte die Frau des Bäckermeisters, als sie kurz später in die Backstube kam. „Ja“, sagte der Bäckermeister traurig. „Aber es hat nicht gereicht für dieses Kind“ und er wischte sich eine Träne aus dem Augenwinkel, bevor er den nächsten Laib Brot aus dem Ofen holte. „Komm her“, sagte seine Frau liebevoll und umarmte ihn trotz all des Mehls, das an seiner Schürze hing. „Du kannst den Menschen nicht mehr geben, als du hast. Deshalb brauchst du jetzt nicht so betrübt zu sein. Denn das, was du hast, wird auch diesem Kind reichen. Auch dieses Kind wird es eines Tages schaffen, des Abends zu kommen und am Morgen das Backen von dir zu erlernen. Wenn nicht heute, dann eben in der nächsten Zeit. Deshalb solltest du jetzt wieder zu deiner eigenen Freude zurück finden, weil deine Brote sonst heute alle ohne Kraft über die Theke gehen.“ Und der Bäcker nickte, lächelte dann, erwiderte ihren Kuss, hinterließ viel Mehl in ihrem Haar und machte sich mit neuem Mut daran, ein Kraftbrot nach dem anderen aus seinem wundervollen Ofen zu holen.

Mehrere Wochen sollte es dauern, bis das Kind wieder kam. Und nicht ein Tag war vergangen, an dem der Bäcker nicht an das Kind gedacht hatte. „Da bist du ja!“, sagte er erfreut, als er die Ladentür abends gerade schließen wollte und dabei sah, wer um die Kurve vor seinem Geschäft gelaufen kam. „Komm herein! Dein Bett ist schon fertig.“ Und so saßen der Bäckermeister, seine Frau und das Kind an diesem Abend zusammen beim Essen – es gab Kraftbrot und viele, leckere Aufstriche aus dem Gemüse aus des Bäckermeisters Garten – bevor das Kind schließlich im Gästezimmer schlafen ging.

Bevor der neue Tag begann, weckte der Bäckermeister das Kind und nahm es mit in die Backstube, in der der Ofen schon brannte. Er weihte es in sein bestes Brotrezept ein und ließ es alles wissen, was es für das Kraftbrotbacken brauchen würde. „Ich muss zufrieden sein, wenn ich die Brote backe?!“ fragte das Kind entsetzt. „Das schaffe ich nie! Dein Rezept ist nichts wert für mich! Die Aufgaben, die die Dorfgemeinschaft mir gegeben hat, lassen mir keinen Raum für Zufriedenheit! So werde ich niemals Kraftbrote backen können! Warum versprichst du mir immerzu Dinge, die nichts für mich taugen?!“ Und wieder liefen verzweifelte Tränen und das Kind lief – samt Schürze – schluchzend hinaus. „Lass mal“, sagte die Frau des Bäckermeisters zu ihm, die gerade in die Backstube gekommen war. „Ich kümmere mich um das Kind. Stecke du deine Kraft in die Brote.“ Und so machten die beiden das dann auch.

Der Bäckermeister fragte sich später, was genau seine Frau dem Kind erzählt hatte. Denn es war nicht nur bis zum Nachmittag geblieben, sondern es schlief sogar noch eine weitere Nacht bei ihnen. Und das, obwohl der Bäckermeister sich nach allen Erzählungen des Kindes ziemlich sicher war, dass die Dorfgemeinschaft das nicht gutheißen würde.
Seine Frau lächelte ihn beim gemeinsamen Abendbrot mit dem Kind schelmisch und mit so glücklich blitzenden Augen an, dass der Bäckermeister ganz weiche Knie bekam. Da wusste er, dass seine Kraftbrote am nächsten Tag ganz besonders viel Kraft bekommen würden.
Und dass das Kind diesmal wirklich lernen würde, genau solche Laibe zu backen.

So war es dann auch. Zu zweit holten der Bäckermeister und das ausgeschlafene Kind einen Laib Brot nach dem anderen aus dem Ofen, und als der Vormittag zu Ende ging, hatte das Kind nicht nur ein, sondern gleich sieben verschiedene Rezepte für Kraftbrote gelernt.
„Und das geht nur, wenn ich meine eigenen Steinplatten für den Ofen finde?“ versicherte es sich noch einmal. „Im Ofen eines anderen kann ich meine Kraftbrote nicht backen?“ „Ja“, nickte der Bäckermeister, „so ist es. Jeder Kraftbrotebäckermeister kann nur in seinem eigenen Ofen Kraftbrote backen. Und die Steinplatten dafür muss er selber finden. Sie sind bei jedem Kraftbrotebäckermeister anders. Die haben Eigenschaften, die dafür sorgen, dass es ihrem Besitzer gut geht.“
„Dann liegt es an dir, dass du sie nur einmal am Tag anfeuern kannst?“ rief das Kind und wusste nicht, ob es wütend werden sollte. „Ja“, nickte der Bäckermeister, „das liegt an mir. Wenn ich mehrmals am Tag backen würde, hätte ich schon bald keine Kraft mehr. Dann könnte ich nur noch ganz normale Brote backen und meine Berufung als Kraftbrotebäckermeister nicht erfüllen. Dann könnte ich Menschen wie dir weder ein Brot verkaufen, noch das Rezept dafür weiter geben.“

Danach saßen die beiden eine ganze Zeitlang schweigend auf den Stufen aus Lehm in der Abendsonne. Zum großen Erstaunen des Bäckermeisters machte das Kind keine Anstalten, aufzubrechen. „Darf ich noch einmal bei euch schlafen?“ fragte es statt dessen. „Wenn ich das richtig verstanden habe, brauche ich zum Kraftbrotebacken ja selber Kraft. Oder?“ Der Bäckermeister nickte und wischte sich verstohlen eine Träne weg, die sich aus seinem Augenwinkel schleichen wollte. Denn er spürte, dass sich neben ihm gerade ein Leben änderte.
„Gut“, sagte das Kind. „Wenn meine Dorfgemeinschaft Kraftbrote von mir möchte, kann sie nicht länger erwarten, dass ich Dinge tue und mich an Zeiten halte, die mir jede Kraft rauben. Dann könnte ich die Kraft ja nicht mehr in die Brote stecken. Und die Dorfgemeinschaft wird auch auf mich warten müssen, wenn ich durch die Lande ziehe, um meine ganz eigenen Steinplatten zu finden. Egal, wie lange das dauert. Wenn es recht ist, schlafe ich heute also noch einmal bei euch und ziehe morgen mit guter Kraft los, um meiner Dorfgemeinschaft Bescheid zu geben und mich dann zu meinen Steinplatten aufzumachen.“

Und der Bäckermeister nahm das Kind wortlos in den Arm und sagte: „Du wirst die besten Kraftbrote backen, die es landaus landein nur geben kann. Das spüre ich jetzt schon. Und du wirst glücklich sein. Und auch das Glück wird in deinen Broten stecken.“ Und er drückte das Kind so fest, dass ihm fast ein wenig die Luft weg blieb.
„Und wenn jemand kommt, und bei mir das Backen lernen möchte, wird er sich danach richten müssen, wie meine Steinplatten beschaffen sind“, sagte das Kind, „weil sie sonst erstens kaputt gehen würden und weil ich sonst zweitens gar keine Kraft hätte, noch Kraftbrote zu backen. Nicht wahr?“ Der Bäckermeister nickte und lächelte dabei. „Und das werde ich auch dann nicht ändern können, wenn jemand vorbei kommt, der sehr verzweifelt ist und für den die Beschaffenheit meiner Steinplatten gar nicht passt, richtig?“ fragte das Kind weiter, und wieder nickte der Bäckermeister.
„Weil die Steinplatte immer nur für ihren Meister passt. Und weil jeder, der von ihm lernen möchte, sich ihrer Beschaffenheit beugen muss. Jeder, der das tut, findet danach aber dann die eigenen Steinplatten, die für ihn selber passen. Und das geht von Lehrgeneration zu Lehrgeneration immer so weiter, ja? Weil ein Meister an Menschen, denen er das Brotbacken beibringt, natürlich niemals seine Kraft verlieren darf, weil er sonst ja gar nicht backen könnte. Und indem er auf seine Steinplatten und auf seine Kraft Acht gibt, zeigt er den Menschen die Grundlage für das beste Kraftbrotrezept auf der ganzen Welt. Wieder richtig?“ sagte da Kind. Wieder nickte der Bäckermeister.

Er, seine Frau und das Kind hatten danach ein sehr fröhliches Abendessen mit viel Kraftbrot, Wein, Saft und bester Laune. Und am nächsten Tag zog das Kind los, um seine Dorfgemeinschaft von seiner Berufung und der Reise zu unterrichten, auf die es nun ging, um seine Steinplatten als bester Kraftbrotebäckermeister der Welt zu finden.

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