Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Das geht nur MIT dem Body. Das geht nicht übers Hirn. Warum? Weil das Hirn einem sonst eine Liste macht, was man vom Verstand her alles mag – und dann versucht man, dem nachzueifern. Damit man sich mögen kann.
Geiler Plan, geht aber leider nie auf.

Ich bin überzeugt, dass jeder, der sich selber mögen will, ganz viel Mut zeigen muss: Nämlich festzustellen, WIE man IST. Egal, welche Listen das Hirn unter „liebenswerte Eigenschaften“ schon alle aufgestellt hat.
Huch! Kriegt man schnell kalte Füße, nicht wahr?
Was ist, wenn man bei der Entdeckungsreise nach sich selbst einen Menschen erkennt, den man nicht ausstehen kann?! Was dann?!

Aber da kann ich alle beruhigen: man ist ganz tief drinnen genau das, was man insgeheim an seinen Idolen bewundert. Man kann all das, was einen interessiert. Wenn man sich erst einmal selber erkannt HAT, gibt es kaum einen Menschen, den man besser versteht als sich selbst. Und „verstehen“ heißt in diesem Fall automatisch auch: mögen. Mitschwingen. Eine irre Anziehung zum Gesamtpaket spüren. Verständnis und Geduld haben, das Liebenswerte erkennen, volle Nachsicht mit den Schwächen haben und fest stellen, dass man gar nicht anders sein dürfte dafür, dass man sich gerne lieben will. Nicht ein Fitzelchen anders.

Natürlich gehört hier auch wieder die Disziplin dazu, ohne die ein (glückliches und gesundes) Leben nicht vorstellbar wäre. Wo immer man Schwächen erkennt, braucht es Disziplin, um sie in eine gewisse Stärke umzuwandeln. Aber dazu mehr in anderen Texten …

Jedenfalls kann ich allen, die sich selber „mögen lernen wollen“, nur ganz dringend Körperarbeit empfehlen. Denn das Kennenlernen seiner selbst wird nun mal über den Body initiiert. Das ist kein rein mentaler Prozess. Jeder Charakterzug, jede durchlebte Emotion (die uns formt und geformt hat) hat ihre Entsprechung im Körper. Und immer dann, wenn ein bestimmter Bereich des Körpers berührt wird, gelangen die Eigenschaften, die auch innerlich und mental dahinter stehen, ins Bewusstsein. Sie werden spürbar, fühlbar und erkennbar. DANN können die Gedanken anfangen, zu rauchen. Wir HABEN Körper UND Seele. Und wir müssen auch beides „berühren“ um „uns“ kennen zu lernen.

Dass man sich nach dem Kennenlernen MAG, steht für mich selber vollkommen außer Zweifel. Weil das, was man mag, davon abhängt, was man ist.

Was man ganz tief INNEN ist, meine ich. Die innerste „Matrjoschka“, um Sandras exzellentes Bild zu nehmen. Nicht die Figur, die man ganz außen sieht. Außen, da wird man erst einmal viele, viele Jahre durch das anerzogene Verhalten definiert. Durch die Normen, die man in der Erziehung als „gut“ und als „falsch“ kennen lernt. In dieser Gestalt zeigt man viele Dinge, die von einem erwartet werden. Kein Wunder, dass viele Menschen sich in dieser äußersten Form – die lange Jahre den Alltag ausmacht – nicht mögen!! Das ist doch nicht man selbst! Das ist ein Ergebnis von erlernten Ansichten und Verhaltensregeln.
Sich selbst findet man erst nach viel Leid, das man genau DURCH die äußerste Matrjoschka erfahren hat, nach viel Hinterfragen und Mut zur Berührung in der innersten Figur.
Und dass man DIE mag … daran habe ich wie gesagt nicht den leisesten Zweifel 😊

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